Inhalt:
 

PresseText
 

Plakat Foto (BILD)
 

Katalog Nr. 99 
Text von Wolfga Christian Huber 

 

Die Bibel – Programm für Jahrhunderte
Sonderausstellung im Stiftsmuseum Klosterneuburg
2003

 

Pressetext:
Die Bibel – Programm für Jahrhunderte 
 

Ausstellung im Stiftsmuseum Klosterneuburg
1. Mai bis 16. November 2003 
Täglich außer Montag 10 – 17 Uhr


 

Diese Ausstellung ist der Beitrag des Stiftes zum „Jahr der Bibel“ 2003, das in allen deutschsprachigen Ländern und Frankreich begangen wird. 
Von der Beschäftigung mit der Bibel zeugen im Stift Klosterneuburg zahlreiche Kunstwerke, die vom Haus in Auftrag gegeben oder von Mitgliedern des Stiftes erworben wurden. Das beginnt bei der ersten Bibel der Stiftsbibliothek, der sogenannten „Leopoldsbibel“, die direkt auf den Klostergründer Markgraf Leopold III. zurückgeht, und reicht bis heute. 
Die Ausstellung gestattet es dem Besucher, die Auseinandersetzung der Künstler mit dem Wort Gottes von Romanik bis Moderne zu verfolgen.  Zu den herausragenden Stücken aus dem Mittelalter zählen die „Große Klosterneuburger Bibel“ (um 1310) und der reich illustrierte Bibelkommentar des Heinrich Aurhaym (um 1400).   Es werden aber keineswegs nur Handschriften und Bücher gezeigt. Gerade die Breite der künstlerischen Techniken stellt einen ganz besonderen Reiz der Präsentation dar: Gemälde, Graphiken, Elfenbeinschnitzereien, Werke der Goldschmiedekunst und der Volkskunst sowie Textilien. Als herausragend verdient eine kleine Goldemailarbeit „Anbetung der Könige“ aus der Zeit um 1520/30 besondere Erwähnung. 
Durch einen glücklichen Umstand können erstmals beide Fastentücher der Stiftskirche gezeigt werden, die zwischen  1916 und 1924 entstanden sind und mit ihrem umfangreichen Bilderzyklus vor allem zum Alten Testament zu den herausragenden Werken der modernen sakralen Textilkunst zählen. 
Allen Werke illustrieren jeweils eine bestimmte Stelle der Heiligen Schrift. Dabei wird man beileibe nicht nur den bekannten Bildthemen wie Weihnachten, Kreuzigung etc. begegnen, sondern auch vielen weniger häufig dargestellten Schriftstellen, vor allem des Alten Testaments.  Daneben werden Persönlichkeiten aus der fast neunhundertjährigen Stiftsgeschichte vorgestellt, die sich intensiv mit der Bibel befasst haben. Dieser Bogen reicht von Propst Rudiger, dem vermutlichen Verfasser des theologischen Programms des Verduner Altars (1166/67) über den vormärzlichen Bibelwissenschaftler Petrus Fourerius Ackermann bis hin zu Pius Parsch, den Gründer der volksliturgischen Bewegung, der sich im 20. Jahrhundert um einen erneuerten Zugang zu Bibel und Liturgie bemühte und dessen Ideen teilweise durch das Zweite Vatikanische Konzil verwirklicht wurden . 

 

Unter den Künstlern finden sich Johann Michael Rottmayr, Franz Anton Maulbertsch, Martin Johann Schmidt,  Maerten de Vos, Josef v. Führich, Gustave Doré, Josef Dobrowsky, Hans Fronius, Oswald Oberhuber, Luigi La Speranza u.v.a. 
 
 
 


 
Ausstellungkatalog  Nr. 99 
Seite 174 - 176 

 

Die vier Wesen und das Lamm
Luigi La Speranza (* 1962)
Sign. und dat. 1986
Öl u. Tempera auf  Holz, 170 x 160 cm
Besitz des Künstlers

 
 

Luigi La Speranza,1962 in Wien geboren, hatte seine erste Ausstellung bereits mit 7 Jahren, studierte 1980 bis 1985 an der Akademie der bildenden Künste bei Rudolf Hausner und Arik Brauer, betreibt seit 1993 eine eigene Atelier-Galerie in Wien. Schon während seiner Studienzeit an der Akademie schuf er in zweijähriger Arbeit das Gemälde "Die vier Wesen und das Lamm." Abweichungen gegenüber dem Bibeltext beruhen nicht auf Zufälligkeiten, sondern sind vom Künstler gewollt. Bewußt hat er darauf verzichtet, die in der Apokalypse erwähnte "Vieläugigkeit der Wesen" darzustellen. Dagegen hat er versucht, die dadurch symbolisierte Wachsamkeit in deren Blicken zu konzentrieren.

Die vier apokalyptischen Wesen sieht La Speranza auch als Verkörperungen der Sternzeichen Löwe, Stier, Adler = Skorpion, Mensch = Wassermann, somit auch als Symbole der vier Himmelsrichtungen, der vier Elemente, der vier Eckpunkte im Universum. Dem entspricht auch die unterschiedliche Farbigkeit der Figuren. Der Löwe als Sonnensymbol ist gold/gelb, der Stier rot, der Adler blau. Im Menschen mischen sich alle diese Farben, deswegen herrscht in seiner Figur das Braun vor, das sich aus der Mischung von Gelb, Rot und Blau ergibt.

Jede der vier Gestalten betet das apokalyptische Lamm mit einer anderen Handhaltung an. Die Haltung des Stiers sagt: "Ich habe", die des Adlers "Ich begehre", die des Löwen "Ich will" und die des Menschen: "Ich weiß". Der Stier steht auch für Erde, Phlegmatiker, Frühling; der Adler steht für Wasser, Melancholiker, Herbst; der Mensch für Luft, Sanguiniker, Winter; der Löwe für Feuer, Choleriker, Sommer.

Entsprechend dieser Symbolik sind die Geschlechter der Figuren gewählt. Löwe, Adler und Stier sind männlich, der Mensch androgyn, er soll alle Menschen, Männer wie Frauen in sich vereinen, er wendet sich auch als einzige Figur aus dem Bild an den Betrachter, zieht die Blicke hinein und weist sie zum Lamm hinauf.

Vor allem bei der Gestaltung der Vision des apokalyptischen Lammes ließ sich Luigi La Speranza vom Auferstehungsbild auf Mathias Grünewalds Isenheimer Altar inspirieren. "Es gibt in Wien eine vitale Szene hochbegabter junger Künstler, die im scharfen Gegenwind der etablierten Avantgarde eine bedeutungsvolle kulturelle Leistung erbringen. Ich bin sicher, dass die Zukunft für diese Menschen eine Chance bereithält." (Arik Brauer)
 
 

Lit.: Sehr viel Information über den Künstler bietet seine hervorragend gestaltete Homepage 
www.lasperanza.com

 
 

Apokalypse, 4, 5-7; 5, 6

Von dem Thron gingen Blitze, Stimmen und Donner aus. Und sieben lodernde Fackeln brannten vor dem Thron; das sind die sieben Geister Gottes. Und vor dem Thron war etwas wie ein gläsernes Meer, gleich Kristall.
Und in der Mitte, rings um den Thron, waren vier Lebewesen voller Augen, vorn und hinten. Das erste Lebewesen glich einem Löwen, das zweite einem Stier, das dritte sah aus wie ein Mensch, das vierte glich einem fliegenden Adler.
Und ich sah: Zwischen dem Thron und den vier Lebewesen und mitten unter den ältesten stand ein Lamm; es sah aus wie geschlachtet und hatte sieben Hörner und sieben Augen; die Augen sind die sieben Geister Gottes, die über die ganze Erde aus gesandt sind. Das Lamm trat heran und empfing das Buch aus der rechten Hand dessen, der auf dem Thron saß.

 

Wolfgang Christian Huber

 


 
 
 
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